Ab in den Norden! – Pohjoisesta!

HEIPÄHEI – Hallihallo!

Ich sitze gerade in Helsinki an einemn riesigen Esstisch einer original finnischen WG, es ist 22.55 Ortszeit und die schwüle Tropenluft lässt hier richtige Urlaubsstimmung aufkommen 😉

Wie ich heute ab 3 morgens von meinem Hamburger Bett zu diesem finnischen Esstisch gekommen bin, und was mir für finnische Eigenheiten aufgefallen sind, versuche ich kurz anzureissen.

Die Maschine von Hamburg nach Kopenhagen war von schnuckeliger Größe und wie immer hat mich die Grazie der Stewardessen komplett in den Bann gezogen. Da ich nicht am Fenster saß und die üblichen Wolkenspiele als Zeitvertreib nicht infrage kamen, musterte ich stattdessen das Flugpersonal.

Ich wette, die Fluggesellschaften haben interne Auswahlverfahren, was das Aussehen der Stewardessen betrifft. Vermutlich 90-60-90, mindestens 175 cm Körpergröße und makellose Gesichtszüge.  Gegen einen Flug mit Scandinavian Airlines sind die Modell-Shows im TV gar nichts!
Sehr entertainend war auch die triliguale Sicherheitsansage auf  Schwedisch, Dänisch und Englisch. Schwedisch und Dänisch klingen wie eine Kinder-Fantasiesprache und ich konnte die beiden Sprachen kaum auseinanderhalten.

Neben mir saß ein Deutscher, der “Spieltrieb” von Juli Zeh las – ein gutes Omen? Mittlerweile versuchte ich mich mit den Beobachtungen von dem zunehmenden Druck meiner Blase abzulenken.

Meine Stahlblase freute sich, dass der Flug nach Kopen the Häigen nur knapp 30 Minuten dauerte , denn länger hätte sie es nicht ausgehalten. Am dänischen Flughafen angekommen, war ich allerdings nicht darauf  gefasst, mich alle 2 Minuten daran zu erinnern nach Luft zu schnappen, da die Anzahl überdurchschnittlich attraktiver Menschen pro Quadratmertern meine allgemeine Annahme von gerechter internationaler Normalverteilung von Schönheit deutlich ins Wanken brachte. Wahrscheinlich ist der Genpool in Dänemark von Natur aus so gut ausgestattet, oder es fahren heute besonders viele berühmt-berüchtigte Schweden in den Sommerurlaub.

Im Flug nach Helsinki sprach mich mein ca. 50-jähriger Sitznachbar während des Landeflugs auf Englisch an. Er machte die ganze Zeit über einen leicht nervösen Eindruck, da seine Beine hin und herzappelten. Wenn ich in ihn richtig verstanden habe, kommt er ursprünglich aus Togo hat zum Teil in Finnland studiert und war auf dem Weg zu seiner Wahlheimat Kanada. “Wenn man weiss ist, ist Finnland wunderbar, aber wenn man schwarz ist, ist das was anderes”, warnte er mich.  Besonders die Finnen an den Außengrenzen,  z.B. die in Joensuu, sollen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber Fremden sein. Wenn man Finnisch kann, ist es auf jedenfall leichter bei den Einheimischen zu punkten.

Vielleicht hat er in einigen Fällen Recht und selbst schlechte Erfahrungen gemacht, aber ich denke das Uni-Städte prinzipiell offener sind und ich erst mal vorurteilsfrei die Eindrücke von Finnland einwirken lassen sollte. Der Herr hat zum Abschied ein Liebesgedicht von Goethe zitiert (obwohl er kein Deutsch kann) und  mir seine Visitenkarte gegeben, mit dem Wunsch, dass ich ihm am Ende des Jahres von meiner Auslandserfahrung schreibe. Ich habe mir seine Karte erst zu Hause angeschaut und einen leichten Schrecken bekommen…

Denn der geprächige Sitznachbar war tatsächlich Prof an einer kanadischen Uni für QUANTITAIVE METHODEN und Business-Kram! Hoffentlich ist das kein Vorzeichen für zukünftige Studieninhalte 😉

Dick vermummt im Wollschal kam ich mir am Helsinkier Flughafen reichlich bedröppelt vor, als mir eine tropische Welle schwüler heißer Luft entgegenwehte und sämtliche Abholer in T-Shirts und Flip-Flops unterwegs waren. Tja, Julias Wetterprognose hat sich bewahrheitet. In Helsinki ist es gefühlte 10°C wärmer als in Hamburg.

Beim Kauf einer Wasserflasche, um meinen riesigen Durst zu stillen, stellte ich die erste finnische Kuriosität fest: An der finnischen Kasse werden keine 2 und 1 Cent Stücke akzeptiert! Außerdem werden selbst im Supermarkt unpässliche Centbeträge bei der Bezahlung aufgerundet. Was wohl Julia dazu sagen würde?

Nach dem kleinen Schlüsselerlebnis stieg ich in den Bus Richtung WG und fuhr bis zur Endstation Itekäskus, wo mich Jarno abholte.  Seine Familie ist komplett finnisch, deswegen nehme ich mal an, dass er wie ein typischer Finne aussieht: mittelgroß, blond, blauäugig und stupsnäsig. Aber Antti, sein Mitbewohner ist das genaue Gegenteil mit seinen braunen Locken und Augen. Auch seine Freundin Ellu hat dunkle Haare, aber sehr helle Haut. Übrigens studiert sie auch Soziologie und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Sie und Annti sind erst seit 3 Monaten zusammen, aber da sie eine Wohnung in Helsinki brauchte, beschlossen die beiden kurzerhand zusammenzuziehen und sie machen einen sehr harmonischen Eindruck.

Auf jedenfall ist Antti ein Harry Potter Fan und besitzt sämtliche DVDs, von denen sich Jarno ausdrücklich distanziert hat. Seinem Schreibtisch nach zu Urteilen liest er gerade “Der Idiot” von Dostojewski, welches komischerweise noch einmal im Bücherregal vorhanden ist. Er studiert aber Mikroelektronik  und ist HiWi. Was Antti studiert, habe ich noch nicht herausgefunden, aber er hat Ellu über seine Cousine kennengelernt, die mit Ellu zusammen gearbeitet hat. Anttis Mutter befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft und ich bin gespannt ob ich sie noch kennenlerne.

Die Jungs waren noch etwa 2 Stunden nach meiner Ankunft da, bevor sie inklusive meines Jägermeister-Mitbringels mit 10 anderen Jungs und 2 Mädels ins Mökki, ein Sommerhaus im Wald, gefahren sind. Fast jede finnische Familie besitzt ein Mökki für den Sommer-Familienurlaub. Auch das kollektive Betrinken im Mökki scheint zur Jugendkultur zu gehören und es würde mich nicht wundern, wenn die beiden mit Kopfschmerzen wieder zurückkommen.  😉

 

Das  ist Moment, alles was ich heute erlebt habe! Mal sehen was das Wochenende mit sich bringt. Nähdään!

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8 thoughts on “Ab in den Norden! – Pohjoisesta!

  1. Hallo Arnette,
    es ist schön von dir zu lesen. Gerade die stylistischen Untermalungen deines Beitrags sind von großer literarischer Kunst. Man sollte fast meinen, du schreibst die ersten Zeilen eines Romans.
    Während ich nun hier in der verstaubten Thulb sitze, kennst du nun bereits einen Statistik-Professor quasi per du und kannst dich an der menschlichen Schönheit unser Nordeuropäer ergötzen. 🙂 Wäre ich doch bloß als blinder Passagier mitgekommen…

    Liebste Grüße aus der thüringischen Heimat, die Geister Goethes und Schillers werden dich vermissen und ich dich natürlich auch.
    Deine Insa

  2. So nun ist´s geschehen, die kleine Piccola ist fort an so einem herrlich fremden Ort 😉
    Naja, da bin ich mal gespannt was Du noch für spannende Geschichten erzählst!
    Ich hoffe, dass der Prof. wirklich nur Pech hatte und die Finnen Dich in Windeseile in ihr Herz aufnehmen werden!
    LG Vanessa
    PS: Heißen die Finnen wirklich so oder sind das alles nur Spitznamen?!

  3. Julia sagt: das mit den kleinen Centbeträgen überrascht mich nicht, das war mir halbwegs bekannt, tut mir Leid, dass ich dich nicht vorgewarnt habe. 😉 Aber meine Wettervorhersage hast du ja auch nicht wirklich ernst genommen, von daher auch egal. Also wenn der Preis abgerundet wird, find ich das natürlich super (Kleinvieh macht auf jeden Fall auch Mist, heut Nacht hab ich auch schon wieder davon geträumt Münzen aufzusammeln), wenn man draufzahlen muss, bin ich empört! 😉
    Es freut mich, dass du so gut angekommen bist und ich hoffe, dass es so positiv weitergeht! Ich werd gleich an die Ostsee fahren, leider ist das Wetter hier nur in dem Sinne tropisch, dass es sehr feucht ist. 😦
    Genieß die Eindrücke! Liebe Grüße
    P.S. Schick mir doch mal die Karte von dem kanadischen Prof! 😉

  4. Das hast du so toll geschrieben und das klingt ja schonmal nach einem guten Anfang in Finnland 🙂 Ich wünsche Dir ganz viel Spaß, bitte bloge regelmäßig damit wir auch alles mitverfolgen können! Love&Kiss ….achja, Bilder von den “schönen Menschen” würd ich auch gerne sehen 😉 hrhr

  5. Ich bin ja mal gespannt, wie lange du fleißig schreibst. Erfahrungsgemäß lässt das sobald ein paar mehr Kontakte geknüpft sind stark nach.

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