Elektro-Festival in Helsinki

Heihei!

Die Jungs sind gestern abend von ihrem Mökki-Event heimgekehrt, doch anstatt wie jeder Normalsterbliche in den erholsamen Tiefschlaf zu versinken, planten sie schon die nächste Party : Das Summer Sound Festival, wo alles mögliche aus der Elektrosparte beherbergt ist. Ich bin ja nicht gerade bekannt dafür, ein großer Elektro-Fan zu sein und war immer noch etwas angeschlagen von der Bronchitis und dem Flug. Das  krönende  i-Tüpfelchen der Begeisterung war dann auch noch der stolze Eintrittspreis von 35€.

Doch das Blatt sollte sich noch wenden, als die 3 Atzen von Antti (26) und Jarno (26)  sturmklingelnd zu Besuch kamen, um gemeinsam mit den beiden zum Festival zu düsen.  Ersten beiden waren das Geschwisterpaar Jukka (26) und Sami (wird am 29.8. 22), ganz in Elektro-Manier in bunten Shirts, blonden Iros und Goldkettchen. Der Dritte im Bunde war der gebürtige Este Sulo, ein stiller Geselle, dessen Vorname in Finnland recht ungewöhnlich ist.

Während Jarno unter der Dusche stand und Antti noch in seinem Zimmer lag, versuchte ich mich im englischen Smalltalk über Couchsurfing, Reisen und die eiserne finnische Partykultur. Jukka, ein IT-Masterstudent, war ebenfalls sehr offen und gesprächig, während sein kleiner Bruder etwas schüchtern war und mit den anderen Finnisch redete, was Jarno und Jukka dann später für mich übersetzten. Eine Frage stellte er den beiden Gastgebern aber klugerweise auf Englisch:

“Why do you have a gas mask in your bathroom?”

Die Frage habe ich mir auch schon gestellt, aber nicht zur Aussprache gebracht, weil es manchmal besser ist, die Antwort nicht zu kennen.Am ersten Tag ist mir die Gasmaske auch schon aufgefallen, die in einem kleinen Regal, direkt gegenüber von der Toilettenschüssel liegt. Einige Minuten später löste sich das Rätsel von selbst, als Antti aus seinem Zimmer kam und jeden von uns fragte, ob wir ganz sicher nicht mehr zur Toilette müssten, da sein Besuch dem stillen Örtchen seine Stille schon austreiben werde.

Still ist auch ein Stichwort für Sulo, denn er redete so gut wie gar nicht und verkörperte somit den Ur-Finnen, den diverse Reisebüchern suggerieren. Lustigerweise war nun der perfekte Pseudo-Prototyp der einzige Nicht-Finne in der Runde ! Den anderen zufolge bestätigt sich die Volksweisheit, das stille Wasser tief sind, da Sulo nicht viel spricht, aber umso mehr erlebt. Er hat wohl schon viele Ecken der Welt erkundet und zuletzt eine Amerika Rundreise gemacht.

Nach ein paar finnischen Bieren und dem deutschen Jägermeisten lockerte sich die Stimmung und die Jungs leisteten Überzeugungsarbeit mich mit zum Festival zu nehmen. Da ich aber immer noch skeptisch war, aber auch nicht gleich am ersten gemeinsamen Abend den Miesepeter spielen wollte, beschloss ich mit der 50%-igen Wahrscheinlichkeit für was auch immer die 2€ Münze entscheiden zulassen. Und wie der Zufall (?) es wollte, kam ich zum Raven mit.

In Helsinki gibt es nur eine einzige U-Bahn Linie und das Land des Nokia Gründers hat sich für das Kaufen von Fahrtickets etwas besonderes ausgedacht. Ähnlich wie unsere Thoskas kann man Plastikkarten mit beliebigen €uro-Werten aufladen und dann die Karte vor jeder Fahrt auf einen Schalter legen, wo das Geld für die entsprechende Route abgebucht wird. So kann man sich das lästige Kleingeld-Suchen sparen, vor allem in einem Land wo Kleingeld ohnehin verschmäht ist.

Auf dem Festival Geländelte tummelten sich eine Menge kuriose Gestalten, besonders einige Finninen liessen sich erwas einfallen um aufzufallen: Plüschbeine, ultraknappe Militärbikinis und Hotpants, oder einfach nur leuchtende Platikbänder am ganzen Körper. Die Jungs hingegen hielten sich im modetechnischen Vergleich eher zurück, sodass das höchste der Gefühle hier und da ein freier Oberkörper war. Allerdings fällt es im internationalen Vergleich schon auf, dass die Finnen alle sehr muskulöse Oberarme haben. Entweder es liegt an meiner kleinen Vergleichstichprobe auf dem Festival, oder der Körperkult ist hier tatsächlich so natürlich wie 2 Tage hintereinander hart zu feiern.

Nun zur Musik: Ich würde zwar niemals alleine in meinem Zimmer Elektro hören, aber auf dem Festival herrschte so viel Gute Laune, bei der die Musik wie Faust aufs Auge passte. Mein Lieblingsact des Abends war vielleicht auch mein liebster, weil ich da noch genügend Energiereserven hatte, um die Musik genügend wertzuschätzen, aber ich habe heute noch ein Youtube Video von dem gestrigen CHICANE Auftritt gefunden, seht selbst:

http://ww.youtube.com/watch?v=ZHeJdu_4faA

Besonders Antti hat mit seiner unermüdlichen Partykondition alle Gemüter beeindruckt, und der mittlerweile nicht mehr ganz so zurückhaltende Sami sagte mir später, dass die Gelegenheit einen tanzenden Finnen zu sehen sehr rar ist. Ich kann mich also glücklich schätzen so enthemmte Finnen in freier Wildbahn beobachtet zu haben! Nach dem Chicane Auftritt gingen die Jungs in eine andere Halle während ich es mir draußen gemütlich machte. Irgendwann machte die Polizei dann dicht, weil zu viele Gäste auf dem Festivalgelände waren und ich war insgeheim etwas erleichtert meinem Bett näher zu kommen. Aber falsch gedacht, ich näherte mich zwar meiner Ziellinie, aber die Jungs dachten noch längst nicht ans Schlafen! Zur finnischen Partykultur gehört immer eine Aftershowparty, sodass die Atzen pflichtbewusst Helsinkis allerletzte offene Absteige besuchten und ich mich mit einem abgeluchsten Hausschlüssel zeitgleich in mein ersehntes Ruhelager manövrierte.

Auf eine stärkere Partykondition!

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