Trip nach Suomenlinna und Nordea

Tervetuloa – Seid gegrüßt!

Heute war der schönste Tag, den Helsinki bisher geboten hat!

Kommen wir aber erst mal zu meinem ersten Tag im Uni-Sprachkurs. Nachdem wir im Fortgeschrittenen-Kurs  2  1/2 h ca.35 Verben unterschiedlicher Gattungen durchkonjugiert haben, offenbarte sich, dass der Anfängerkurs etwas geeigneter für meinen aktuellen Stand sein könnte.  Zum Glück war der Basiskurs auch bei dem gleichen Lehrer, Jorma, der nebenbei bemerkt echt Klasse ist! Er redet fast die ganze Zeit nur auf Finnisch mit uns und ist entspannt und fordernd zugleich. Ich habe am ersten Tag mehr bei ihm gelernt als in einem halben Jahr Volkshochschule. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich gestern statt 2,5 ganze 4,5 Stunden Finnisch hatte – der Anfängerkurs fand nur eine Stunde nach dem Fortgeschrittenenkurs statt. Irgendwie habe ich aber die Uhrzeit falsch verstanden und bin eine halbe Stunde zu spät gekommen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass jemand anderes noch später als ich ankam: Kristina, eine deutsche Medizinstudentin im 6.Semester, die 2 Jahre in Budapest und letztes Jahr in Ulm studiert hat.

Heute morgen sind wir mit der Fähre auf Helsinkis Festungsinsel Suomenlinna (= finnische Burg) gefahren. Aufgrund der langen schwedischen Herrschaft sind fast alle Beschilderungen und Straßennamen sowohl auf  Finnisch als auch auf Schwedisch beschriftet – Ragna würde hier sehr gut zurecht kommen. Und wenn man etwas genauer hinschaut, findet man auch noch winzige Rudimente des Finnisch-Schwedischen Gebietskonflikt. Denn die Schweden nennen die finnische Festung immer noch “Sveaborg” = Schwedenburg.

Gänzlich unberechtig ist das aber nicht, zumindest darf man fairerweise nicht verschweigen, dass die Festungsinsel 1750 unter schwedischer Herrschaft gebaut wurde und einst mehr Bewohner als Helsinki beherbergte.

Für die Fahrt auf der Fähre alleine hätte sich unser morgendlicher Ausflug schon gelohnt, aber als wir auf der Insel ankamen, schien es, als wären wir in Eden gestrandet! Ein Gärtner pflegte seine roten Rosen, die Sonne strahlte mit den glücklichen Inselbesuchern um die Wette und an jeder Ecke lachten uns lauter Versionen der Villa Kunterbunt entgegen. Gegen die skandinavischen Holzhäuser kommt einfach nichts an! Tatsächlich haben Kristina und ich uns schon überlegt uns nur eines schönen finnischen Holzhauses am See wegen einen Finnen anzulachen ;-), als wir gemütlich auf einer Düne einen Morgenkaffee und dabei die wunderschöne Aussicht auf die Bucht mit Stadtpanorama genossen.

Jedenfalls gelobten wir uns, die Insel auch zu unserer persönlichen Festung zu machen – vielleicht schreibe ich hier noch meine 2 ausstehenden Englisch-Essays und die Hausarbeit, wenn sich irgendwo noch ein Stromanschluss für den Laptop findet!

Voller Solarenergie und Tatendrang lernten wir auf der Rückfahrt an Deck noch die ersten Finnisch-Verben, diesmal zum Glück regelmäßig und überschaubar, nicht so wie beim Fortgeschrittenenkurs, sodass wir unsre Kenntnisse gleich im anschließenden Unterricht von 12.30-15 Uhr wunderbar anwenden konnten.

Nach dem Finnisch-Unterricht folgte prompt der nächste Ausflug nach Nordea. Oder sollte ich lieber sagen ZU Nordea? Denn es handelt sich hierbei nicht um eine touristische Attraktion, sondern ganz schlicht um eine der
größten Bankketten Finnlands.

Tags zuvor, als ich etwas verwirrt in Nordeas riesiger granitbekachelten Halle stand und mich in die Gringotts Bank des letzten Harry Potter Films hineinversetzt fühlte, sprach mich im butterweichen Bariton ein junger, blonder, blauäugiger 2-Meter-Hühne, der gut ein Schwede hätte gewesen sein können, ungefragt an.  Selbstverständlich war es ein Bankberater. Aber nicht irgendein Bankberater – es war Anton. DER Bankberater schlechthin.

Gringotts

Entgegen des schwedischen Aussehens Anton ist gebürtiger Finne, der binnen 30 Minuten, die  die Eröffnung eines Kontos in Anspruch nimmt, einen sehr sympathischen Eindruck gemacht hat.

Nordea

Wie ihr seht, ist nicht nur die Bank sondern auch ihr Angestellter äußerst beeindruckend!
Anton punktete stark mit seiner Kenntnis des FC Carl-Zeiss-Jena (!), sodass ich mich gleich in kompetenten Händen fühlte. Als ich ihm sagte, dass ich eventuell noch einen kleinen Job in Finnland suche, sagte er, dass er eine Familie in Helsinki kenne, die sich noch eine deutsche Babysitterin wünscht.  Tja, leider bleibe ich nur einen Monat in Helsinki, aber ansonsten hätte ich die kleinen Finnen gerne kennengelernt.

Stattdessen nahm ich mit dem großen Finnen vorlieb und wir unterhielten uns über alles Mögliche. Er bestätigte meinen Eindruck vom Sound Cloud Festival, dass die wahre Natur des Finnen um 3 Uhr morgens in einer Bar in Erscheinung tritt. Dabei spricht er selbst aus Erfahrung hinter der Theke, als Barkeeper. Und als ehemaliger Kindergärtner hat er wahrscheinlich die notwendigen Kniffe des formvollendeten Services mit schwierigen Kunden gelernt. Aber das schließt leider nicht den Umgang mit trietzenden Familienmitgliedern aus. Könnt ihr euch vorstellen, dass seine große Schwester Marja ihn wegen seines Vornamens aufzieht? Ich finde Anton jedenfalls großartig. Und wenn er aus dem Urlaub zurückkommt, ruft er mich an. Versprochen. Leider wird das drei Tage vor meiner Abreise nach Joensuu sein und wenn ich mich nicht irre – nur rein geschäftlich 😉

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