Abschied von Joensuu

Ein Abschied von einem Ort und von seinen Menschen. Es fuehlt sich immer noch so an, als waere ich bloss kurz im Urlaub und nicht schon endgueltig losgeloest von der kleinen kalten Studentenstadt, Joensuu. Fuer Melancholie gab es schlichtweg zu viel Trubel, denn zuerst war ich mit dem Verkauf der Moebel beschaeftigt, dann folgte eine fulminante Abschiedsparty zusammen mit Michael aus Riga, der in der selben Woche wie ich ging, und zu guter letzt wartete auch noch das gute alte Helsinki mit seinen leuchtenden Menschen und bluehenden Parks.

Trotz der Vorfreude auf die Hauptstadt verpassten wir den Zug um eine Viertelstunde, da half auch der rasende Taxifahrer nicht mehr. Aber dafuer konnte ich meiner Mutter zumindest noch das romantisch triste Stadtzentrum zeigen,  dessen Mitte ein grauer grosser Parkplatz mit ein  paar einsamen Imbissbuden ziert! Irgendwie wurde ich bei dem letzten Spaziergang durch den Ort, der in den letzten Monaten mein Heim war,  auf eine angenehme Weise sentimental. Die Architektur der Kleinstadt ist so schmucklos und gradlinig, dass sie auf eine verquere Art eine eigene Schoenheit hat. Mitsamt dem defekten LED Thermometer auf dem Dach des Einkaufszentrums. Als ich mich im Januar mit dem Rad noch zwischen Schneeberge manoevrierte, zeigte das gute Ding noch Plusgrade an 😉

In dem einzigen Cafe, welches sonntags vormittags geoeffnet ist, probierten wir ein finnisches Gebaeck, das traditionell zum ersten Mai angeboten wird, Tippaleipa. Es sieht aus wie getrocknete Wuermer, schmeckt aber recht normal nach gezuckertem frittiertem Teig.

In Helsinki liefen alle Passanten mit Schulkappen durch die Strassen. Ein Kellner erklaerte mir, dass die Kappen zum Schulabschluss verliehen werden und traditionell zum Vappufest getragen werden. Die Bedeutung ist mir immer noch nicht klar, aber das Stadtbild war herrlich verrueckt. Schraege Kostueme, froehliche Menschen jeden Alters und eine menge Sonnenschein warteten hinter jeder Haeuserecke. In der Nacht zum 1. Mai gab es ueberall Parties und am naechsten Tag ein riesiges Massenpicknick im Koivupuisto, ein Stadtpark am suedlich gelegen Hafen. Mit Freunden und Ukulele bewaffnet tingelten wir bis zum spaeten Abend durch den Park, die Strassen und Restaurants…und am naechsten Morgen musste ich dann um 5.40 Uhr aufstehen, um den Flieger nach Copenhagen, bzw. Posen zu erwischen. Immerhin war ich diesmal puenktlich. Zwar unglaublich muede aber puenktlich! Copenhagen reizt mich nach wie vor, und irgendwann werde ich da noch einen Abstecher machen, der ueber den Flughafen mit all seinen stylischen Reisenden hinausgeht.

Nun bin ich seit 2 Tagen in Inowroclaw, meiner Vaterstadt. Die post-Soviet Bloecke haben einen aehnlichen Charme wie der finnische Modernismus, aber der klare Vorteil sind die wahrhaft sommerlichen 24*C und die duftenden Kastanien und Fliederbuesche. Ich war jeden Tag mit meiner Familie im Garten und habe meinen Stammplatz in der Haengematte gefunden. Die erinnert mich daran, wie muede ich gerade von dem langen Tag und den Stadtspaziergaengen bin. Mehr ueber die Stadt Inowroclaw gibts im naechsten Eintrag. Dobranoc!

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